In Tunesien gibt es zwei Arten von Feiertagen, an denen das öffentliche Leben ruht:

- die stets gleichbleibenden nationalen Feiertage und 

- die religiösen Feiertage, die jedes Jahr auf ein anderes Datum fallen.

Diese Verschiebung erklärt sich so: Grundlage für den islamischen Kalender ist das Mondjahr, das aus 12 Monaten à 29 bzw. 30 Tagen besteht. Ein Mondjahr hat nur 354 bzw. 355 Tage, so daß die islamischen Feste und Feiertage in der üblicherweise geltenden Zeitrechnung von Jahr zu Jahr um 10 oder 11 Tage früher stattfinden.

 

 

 

 

Nationale Feiertage

 

1. Januar = Neujahr

20. März = Tag der Unabhängigkeit. Dieser Tag erinnert an die Erlangung der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahre 1956.

21. März = Tag der Jugend

9. April = Tag der Märtyrer. Gedenktag an einen Militäreinsatz der französischen Kolonialverwaltung gegen eine Demonstration im Jahre 1938.

1. Mai = Tag der Arbeit

25. Juli = Tag der Republik. Gedenktag an die Ausrufung der Republik im Jahre 1957

13. August = Tag der Frau

7. November = Gedenktag an den 7. November 1987. Erinnerung an die Absetzung von Habib Bourguiba nach dreißigjähriger Amtszeit durch Zine El Abidine Ben Ali

 

Religiöse Feiertage

Aid Es Seghir - Fest zum Ende des Fastenmonats Ramadan

Aid El Kebir - Opferfest

Ras El Am - Islamisches Neujahr

El Mouled - Geburtstag des Propheten Mohammed

 

 

 

 

 

Aid El Kebir

Wenn ihr ein paar Tage vor dem Aid El Kebir oder Opferfest, dem größten der islamischen Feste, durch städtische Wohnviertel oder Dörfer spaziert, werdet ihr es nicht überhören, das hartnäckige Blöken aus Vorgärten und Höfen oder von Balkonen herab.

Mit roter Farbe gekennzeichnet, werden große Schafherden in die Städte gebracht und dort zu saftigen Preisen verkauft, ganz den Gesetzen der Marktwirtschaft folgend. Ob zartes Lämmlein, mittelalter "Lammel" oder Hammel mit prächtigen Hörnern, die Größe des Tieres richtet sich nach dem Wohlstand der Familie.
Oftmals kaufen sich mehrere Familien aus Kostengründen gemeinsam ein Opfertier.

Messerschleifer haben in den Tagen vor dem Fest alle Hände voll zu tun, und in den Läden werden verstärkt Grillspieße und anderes Grillzubehör angeboten.

Am frühen Morgen des ersten Festtages wird das Tier geschlachtet. Zuvor jedoch wird es noch mit bunten Schleifen geschmückt, ein besonderes Vergnügen für die Kinder, die mit ihm manchmal noch schnell eine Runde durch die Gasse drehen.

Das Schlachtopfer erfolgt zur Erinnerung daran, das Abraham (arab. Ibrahim) bereit war, auf Verlangen Gottes seinen Sohn Isaak (arab. Ishak) zu opfern - diese alttestamentarische Begebenheit spielt im Islam eine ebenso große Rolle wie im Judentum und im Christentum. Geschlachtet wird nach dem islamischen Ritual des Schächtens, wobei dem Tier sehr rasch die Halsschlagader durchtrennt wird. Anschließend wird es zerteilt, und ein Teil davon geht an bedürftige Familien.

Während des Aid El Kebir wird in der Regel eine Menge Fleisch verzehrt. Das beginnt mit Lammspießchen zum Frühstück und endet mit Osbane, einem tunesischen Gericht, das zum Aid El Kebir gehört wie die Gans zu Weihnachten. Der Großteil des Lamms und die besten Stücke wandern allerdings in die Vorratskammer, und zwar in getrockneter Form als das sogenannte Kadid, das im Laufe des Jahres verbraucht wird.

Nach dem Aid El Kebir haben sehr viele Tunesier ohnehin erst einmal das Lammfleisch satt.

 

 

 

Ramadan

Der neunte Monat des islamischen Jahres, der Ramadan, ist eine Zeit, in der das Leben einen ganz anderen Rhythmus hat als sonst. Der Ramadan gilt im Islam als heiligster Monat; er beginnt, sobald der Neumond am Himmel gesichtet wird.

Bündig und sehr poetisch heißt es im Koran: "Eßt und trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden könnt."

Gläubigen Muslimen sind während des Ramadan zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang jedoch nicht nur Essen und Trinken verboten, sondern auch Rauchen und Sex. Ausgenommen von den Verboten sind Kranke, Schwangere und stillende Frauen, Frauen während der Menstruation und Reisende.

Das islamische Alkoholverbot wird zwar in Tunesien nicht so eng gesehen, während des Ramadan ist Alkoholgenuß für Einheimische aber überhaupt nicht erlaubt, so daß außerhalb von touristischen Einrichtungen Alkoholausschank und -verkauf tabu sind.

Obgleich es in Tunesien kein Gesetz gibt, das die Menschen zum Fasten verpflichtet, vollzieht die Mehrzahl der Tunesier dieses religiöse Ritual. Die Arbeitszeit endet im Ramadan in der Regel am frühen Nachmittag, danach kommt das öffentliche Leben für einige Stunden fast völlig zum erliegen. Das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang, angekündigt durch den Ruf des Muezzin, ist dann der Beginn einer langen Nacht. Nach einem üppigen Essen flanieren die Menschen in den Straßen, besuchen Verwandte oder Freunde oder strömen in die Cafés und Kinos. Das Fernsehen zeigt bis spät in die Nacht ein besonderes Ramadan-Programm mit Spielfilmen und Unterhaltungsshows.

Es kann problematisch sein, am Tage etwas zu essen oder zu trinken zu bekommen, wenn ihr euch fernab von ausgetretenen Touristenpfaden bewegt. Cafés und Restaurants sind nämlich - außer in Touristenzentren und zum Teil in Tunis - während des Ramadan tagsüber geschlossen. Es ist deshalb sinnvoll, sich bei derartigen Ausflügen mit einem "Care-Paket" auszurüsten. Grundsätzlich solltet ihr aus Rücksicht auf die fastenden Einheimischen während des Fastenmonats jedoch nicht vor aller Augen essen, trinken oder rauchen.

Im Laufe des Nachmittags von einem Ort zum anderen zu kommen, ist im Ramadan ein schwieriges Unterfangen, wenn ihr auf öffentlich Verkehrsmittel angewiesen seid. Diese fahren nur bis kurz vor Sonnenuntergang und dann erst wieder in den Abendstunden. Auch die Suche nach einem Taxi, das euch am späten Nachmittag zum gewünschten Ziel bringt, kann vergeblich sein, denn die Taxifahrer wollen auf dem schnellsten Wege nach Hause. Nur wenn ihr Glück habt, und euer Ziel ohnehin auf seinem Nachhauseweg liegt, wird der Taxifahrer euch höchstwahrscheinlich mitnehmen.

Vor allem wenn der Ramadan in den Hochsommer fällt, kann der Service in den Hotels, Restaurants etc. etwas zu wünschen übrig lassen. Ihr werdet das nicht ändern können - versucht, für diese besonderen Umstände Verständnis aufzubringen, und ärgert euch nicht!

Für die tunesischen Hausfrauen ist der Ramadan eine Zeit, die ihren Kochkünsten und ihrem Organisationstalent einiges abverlangt. Es ist üblich, daß abends mehrere warme und kalte Gerichte auf den Tisch kommen, und es liegt nun einmal in der Natur der tunesischen Küche, daß die Zubereitung der Gerichte ziemlich aufwendig ist. Im Ramadan verbringen die tunesischen Frauen nicht nur mehr Zeit in der Küche als während des restlichen Jahres, auch die Einkäufe sind zeitraubender als sonst, weil der Ansturm groß ist. Am besten sind Fleisch, Geflügel, Fisch, Gemüse und Obst auf dem Markt; Konserven und Tiefkühlkost gibt es in Tunesien so gut wie gar nicht.

Weil zum Frühstück vor Sonnenuntergang, dem Sohour, eine Menge Milch getrunken wird, ist Schlangestehen um frische Milch im Ramadan etwas Alltägliches.

Die Versorgungssituation ist in den letzten Jahren zum Glück viel besser geworden; es gab Zeiten, in denen das Angebot sehr spärlich warr. Heutzutage ist das Warenangebot gut; überdies achtet die Regierung darauf, daß die Lebensmittellager zum Ramadan bis obenhin gefüllt sind, weil in dieser Zeit sehr viel mehr konsumiert wird als sonst.

Essen ist bis auf die subventionierten Grundnahrungsmittel wie Weißbrot, Olivenöl, Zucker etc. aber alles andere als billig. Fleisch ist teuer und Fisch geradezu ein Luxus. Vor dem Ramadan steigen die Lebensmittelpreise kräftig an. Der Fastenmonat reißt daher meist ein gewaltiges Loch in die Haushaltskasse.

Die Einkäufe werden im Ramadan meist von den Männern nach der Arbeit, d. h. am frühen Nachmittag, erledigt. Die Zeit bis zum Sonnenuntergang bringen die Frauen damit zu, das Essen vorzubereiten, oftmals für eine große Zahl von Gästen. Zuerst gibt es immer eine Suppe mit Nudeln, die jeden Tag frisch zubereitet wird. Den Rest bekommen die Kinder, die ja nicht fasten müssen, am nächsten Tag zum Mittagessen. Danach gibt es die klassische tunesische Vorspeise Brik und dann einen Couscous. Tunesisches Gebäck, Süßspeisen oder -eine unsägliche Kalorienbombe - mit Mandeln oder Butter gefüllte Datteln und ein mit Kardamom gewürzter Café turc (türkischer Café) bzw. Thé à la menthe (Pfefferminztee) bilden den Abschluß des üppigen Essens. Auch wenn nicht wenige tunesische Männer leidenschaftlich gern und ausgezeichnet kochen - vier Wochen lang jeden Tag ein Festessen zu kredenzen, ist für die Frauen ein hartes Los.


 

 

 

Feste


In der islamischen Kultur spielen ausgelassene Festtagsfreuden in der Öffentlichkeit aufgrund der strengen Geschlechtertrennung und religiöser Tabus wie dem Alkoholverbot so gut wie keine Rolle.


Islamische Feste


Die großen islamischen Feste im Jahresablauf sind überwiegend religiöser und familiärer Natur und damit für Nichtmuslime in den wenigsten Fällen zugänglich.
Die Termine richten sich nach dem Mondkalender und verschieben sich daher von Jahr zu Jahr. Im Ramadan erfüllt der Gläubige zwischen Sonnenauf- und -untergang die religiöse Pflicht des Fastens. Die Nacht wird zum Tag gemacht. Tagsüber hingegen darf der Muslim seine Aktivitäten reduzieren, so daß man mit geschlossenen Geschäften und Behörden rechnen muß. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel schränken den Betrieb ein. In dieser Zeit sollte man vermeiden, in der Öffentlichkeit zu essen und zu trinken.

Überregional von Bedeutung sind das Aid es Seghir-Fest, das Fastenbrechen am Ende des Ramadan, das mit Gemeinschaftsgebeten, Gastmahlen und Friedhofsbesuchen begangen wird. Das zweite wichtige Fest im islamischen Kalender ist das große Hammelfest Aid el Kebir, bei dem die Familien in Gedenken an die Bereitschaft Abrahams, auf Geheiß Gottes seinen Sohn zu opfern, eine Ziege oder einen Hammel schlachten.

 


Lokale Feste


Farbenprächtiger und volkstümlicher sind die mit einem großem Markt verbundenen lokalen Feste, die entweder als Wallfahrt (moussem) zu einer Grabstätte eines Heiligen veranstaltet werden oder als Erntefeste (Olivenfest, Dattelfest, Orangenblütenfest). Bei letzteren sind auch Touristen willkommen und werden zuweilen mit Folkloredarbietungen unterhalten. Ebenfalls sehr interessant sind Veranstaltungen wie das Festival de l´Epervier, das Falkenfest in El Haouaria, bei dem die Flug- und Jagdkünste der Raubvögel vorgeführt werden. Wo und wann diese Feste stattfinden, erfährt man in den Hotels und Fremdenverkehrsämtern.
Eine gewisse Rolle spielen die kulturellen Festivals, bei denen klassische und traditionelle Musik, Theateraufführungen und Filmdarbietungen im Mittelpunkt stehen. Internationalen Ruf haben sich die Festivals in El Djem, Carthage und Hammamet erworben.

 


Abendunterhaltung


Die Konzentrierung des Privatlebens auf den häuslichen Bereich im Islam hat ebenfalls zur Folge, daß sich die abendlichen Unterhaltungsmöglichkeiten auf die großen Touristenzentren beschränken. Dorthin strömen an den Wochenenden vermehrt auch jugendliche Tunesier, um an den westlichen Freuden der Disco-Szene teilzuhaben. Die meisten Diskotheken sind einem der großen Hotels angeschlossen.
Aus dem gleichem Grund findet man nur an touristischen Standorten und in und um die Hauptstadt ansprechende Restaurants mit gemütlichem Ambiente. Tavernen, Kneipen und Bars wird man hingegen in ganz Tunesien außerhalb der Hotels vergeblich suchen. An ihre Stelle treten die Kaffeehäuser. Sie sind der bevorzugte Aufenthaltsort der tunesischen Männer, die hier einen großen Teil des Tages im Kreise ihrer Freunde verbringen können. In allen Ferienorten werden regelmäßig Folkloreveranstaltungen geboten, die allerdings nicht immer authentisch und zuweilen eher dem Animationsbereich zuzuordnen sind. Höhepunkt ist der allseits so beliebte Bauchtanz, der sich vom magisch-rituellen Fruchtbarkeitsritus zum Schautanz gewandelt hat und im gesamten arabischen Raum verbreitet ist.

Bei wohlhabenden Tunesiern beliebt sind abendliche Dinnershows, wie sie einige Luxushotels in Tunis bieten. Zu den Gaumenfreuden eines üppigen Mahls wird hier klassische arabische Unterhaltung mit traditioneller Malouf-Musik und Gesang serviert.

 

 

 

 

 

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