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Ramadan
Der
neunte Monat des islamischen Jahres, der Ramadan, ist eine Zeit,
in der das Leben einen ganz anderen Rhythmus hat als sonst. Der
Ramadan gilt im Islam als heiligster Monat; er beginnt, sobald der
Neumond am Himmel gesichtet wird.
Bündig und sehr poetisch heißt es im Koran: "Eßt und
trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weißen von einem
schwarzen Faden unterscheiden könnt."
Gläubigen Muslimen sind während des Ramadan zwischen
Sonnenaufgang und Sonnenuntergang jedoch nicht nur Essen und
Trinken verboten, sondern auch Rauchen und Sex. Ausgenommen von
den Verboten sind Kranke, Schwangere und stillende Frauen, Frauen
während der Menstruation und Reisende.
Das islamische Alkoholverbot wird zwar in Tunesien nicht so eng
gesehen, während des Ramadan ist Alkoholgenuß für Einheimische
aber überhaupt nicht erlaubt, so daß außerhalb von
touristischen Einrichtungen Alkoholausschank und -verkauf tabu
sind.
Obgleich es in Tunesien kein Gesetz gibt, das die Menschen zum
Fasten verpflichtet, vollzieht die Mehrzahl der Tunesier dieses
religiöse Ritual. Die Arbeitszeit endet im Ramadan in der Regel
am frühen Nachmittag, danach kommt das öffentliche Leben für
einige Stunden fast völlig zum erliegen. Das Fastenbrechen nach
Sonnenuntergang, angekündigt durch den Ruf des Muezzin, ist dann
der Beginn einer langen Nacht. Nach einem üppigen Essen flanieren
die Menschen in den Straßen, besuchen Verwandte oder Freunde oder
strömen in die Cafés und Kinos. Das Fernsehen zeigt bis spät in
die Nacht ein besonderes Ramadan-Programm mit Spielfilmen und
Unterhaltungsshows.
Es kann problematisch sein, am Tage etwas zu essen oder zu trinken
zu bekommen, wenn ihr euch fernab von ausgetretenen
Touristenpfaden bewegt. Cafés und Restaurants sind nämlich - außer
in Touristenzentren und zum Teil in Tunis - während des Ramadan
tagsüber geschlossen. Es ist deshalb sinnvoll, sich bei
derartigen Ausflügen mit einem "Care-Paket" auszurüsten.
Grundsätzlich solltet ihr aus Rücksicht auf die fastenden
Einheimischen während des Fastenmonats jedoch nicht vor aller
Augen essen, trinken oder rauchen.
Im Laufe des Nachmittags von einem Ort zum anderen zu kommen, ist
im Ramadan ein schwieriges Unterfangen, wenn ihr auf öffentlich
Verkehrsmittel angewiesen seid. Diese fahren nur bis kurz vor
Sonnenuntergang und dann erst wieder in den Abendstunden. Auch die
Suche nach einem Taxi, das euch am späten Nachmittag zum gewünschten
Ziel bringt, kann vergeblich sein, denn die Taxifahrer wollen auf
dem schnellsten Wege nach Hause. Nur wenn ihr Glück habt, und
euer Ziel ohnehin auf seinem Nachhauseweg liegt, wird der
Taxifahrer euch höchstwahrscheinlich mitnehmen.
Vor allem wenn der Ramadan in den Hochsommer fällt, kann der
Service in den Hotels, Restaurants etc. etwas zu wünschen übrig
lassen. Ihr werdet das nicht ändern können - versucht, für
diese besonderen Umstände Verständnis aufzubringen, und ärgert
euch nicht!
Für die tunesischen Hausfrauen ist
der Ramadan eine Zeit, die ihren Kochkünsten und ihrem
Organisationstalent einiges abverlangt. Es ist üblich, daß
abends mehrere warme und kalte Gerichte auf den Tisch kommen, und
es liegt nun einmal in der Natur der tunesischen Küche, daß die
Zubereitung der Gerichte ziemlich aufwendig ist. Im Ramadan
verbringen die tunesischen Frauen nicht nur mehr Zeit in der Küche
als während des restlichen Jahres, auch die Einkäufe sind
zeitraubender als sonst, weil der Ansturm groß ist. Am besten
sind Fleisch, Geflügel, Fisch, Gemüse und Obst auf dem Markt;
Konserven und Tiefkühlkost gibt es in Tunesien so gut wie gar
nicht.
Weil zum Frühstück vor Sonnenuntergang, dem Sohour, eine Menge
Milch getrunken wird, ist Schlangestehen um frische Milch im
Ramadan etwas Alltägliches.
Die Versorgungssituation ist in den letzten Jahren zum Glück viel
besser geworden; es gab Zeiten, in denen das Angebot sehr spärlich
warr. Heutzutage ist das Warenangebot gut; überdies achtet die
Regierung darauf, daß die Lebensmittellager zum Ramadan bis
obenhin gefüllt sind, weil in dieser Zeit sehr viel mehr
konsumiert wird als sonst.
Essen ist bis auf die subventionierten Grundnahrungsmittel wie Weißbrot,
Olivenöl, Zucker etc. aber alles andere als billig. Fleisch ist
teuer und Fisch geradezu ein Luxus. Vor dem Ramadan steigen die
Lebensmittelpreise kräftig an. Der Fastenmonat reißt daher meist
ein gewaltiges Loch in die Haushaltskasse.
Die Einkäufe werden im Ramadan meist von den Männern nach der
Arbeit, d. h. am frühen Nachmittag, erledigt. Die Zeit bis zum
Sonnenuntergang bringen die Frauen damit zu, das Essen
vorzubereiten, oftmals für eine große Zahl von Gästen. Zuerst
gibt es immer eine Suppe mit Nudeln, die jeden Tag frisch
zubereitet wird. Den Rest bekommen die Kinder, die ja nicht fasten
müssen, am nächsten Tag zum Mittagessen. Danach gibt es die
klassische tunesische Vorspeise Brik und dann einen Couscous.
Tunesisches Gebäck, Süßspeisen oder -eine unsägliche
Kalorienbombe - mit Mandeln oder Butter gefüllte Datteln und ein
mit Kardamom gewürzter Café turc (türkischer Café) bzw. Thé
à la menthe (Pfefferminztee) bilden den Abschluß des üppigen
Essens. Auch wenn nicht wenige tunesische Männer leidenschaftlich
gern und ausgezeichnet kochen - vier Wochen lang jeden Tag ein
Festessen zu kredenzen, ist für die Frauen ein hartes Los.
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